Zwei trauen sich

Teil 3: Zwei trauen sich
Im realen Leben haben Jan und Nils am 18.07.2014 geheiratet. Zwei trauen sich ist die Kurzgeschichte zur Hochzeit. Die Geschichte ist seit 28.09.2014 auf den Plattformen BookRix und FanFiktion online, und weil es tatsächlich eine für meine Verhältnisse sehr kurze Geschichte ist, gibt es auch hier den kompletten Text.

Da ich mittlerweile sehr oft danach gefragt worden bin:
Ja, ich habe Winterhimmel extra als Einzelstück für die beiden drucken und edel binden lassen. Gute Unterhaltung beim Lesen.


Zwei trauen sich

Die letzten Wochen waren über den Hochzeitsvorbereitungen wie im Flug vergangen. Aber jetzt war alles erledigt und Nils freute sich einfach nur noch darauf, dass Jan in wenigen Stunden sein Mann sein würde. Entspannt lag er neben ihm auf dem Bett und atmete nach dem leidenschaftlichen Intermezzo langsam wieder ruhiger.

„Ich fühle mich nackt“, maulte Jan schläfrig.

Nils grinste, ließ genüsslich den Blick über den nackten Körper seines Freundes gleiten und hauchte ihm einen Kuss auf die Schulter. „Dann solltest du dir vielleicht was anziehen, mein Schatz.“

Jan hob seine linke Hand und wackelte mit dem Ringfinger, an dem am Vortag noch zwei Ringe gesteckt hatten. Jetzt war da nur noch einer. „Das meine ich!“

Mit einem leisen Lachen beugte Nils sich über seinen Geliebten und küsste ihn. „Wir bekommen sie ja bald wieder. Außerdem war es deine Idee, beide zu tragen.“

Jan dachte an das letzte Weihnachtsfest und musste lächeln. Er hatte Ringe gekauft und wollte Nils einen Antrag machen, aber dieser war ihm zuvor gekommen. Daher besaßen sie nun zwei Paar Ringe. Eigentlich hatten sie bis zur Hochzeit nur Nils‘ Ringe tragen wollen, um dann die von Jan am Tag ihrer Trauung zu tauschen.

Aber nachdem sie sich in jener Nacht geliebt hatten, war in Jan der Wunsch übermächtig geworden, auch seinen Ring an der Hand des anderen Mannes zu sehen. Er war aufgestanden, hatte das Schmuckkästchen geholt und Nils den glatten Goldreif auf den Finger geschoben, zu dem anderen Ring. Sein Geliebter hatte es ihm gleich getan, und seitdem hatte jeder von ihnen zwei Ringe an einem Finger getragen. In der ersten Zeit war das ziemlich ungewohnt gewesen, aber jetzt fehlte irgendwie etwas.

Ihre langjährige Freundin Christina hatte die schlichten Goldringe am Vorabend mitgenommen, damit die frisch gebackenen Lebenspartner heute auf dem Standesamt die Ringe noch einmal tauschen konnten. Jans Herz schlug plötzlich schneller. Standesamt. Heute. Ihre Trauung. Endlich war es soweit, sie würden heute wirklich heiraten. Plötzlich war jede Schläfrigkeit verschwunden.

„Wir heiraten heute“, stellte er etwas konfus fest.

Nils grinste. „Ja, das tun wir.“

Mit einem Satz war Jan aus dem Bett. „Ich geh rüber zu Chrissy.“

Amüsiert zog Nils die Augenbrauen hoch. „Sie wird dir die Ringe nicht zurückgeben, Süßer.“

„Weiß ich. Aber ich muss mit ihr reden.“

Nils schwang die Beine aus dem Bett. „Worüber denn? Sie hat den Tag heute und die Party morgen gut geplant, du musst dir keine Sorgen machen.“

„Ich mach mir keine Sorgen um die Party“, murmelte Jan, obwohl er das ehrlich gesagt bis vor wenigen Tagen sehr wohl getan hatte. Aber Chrissy hatte ihnen kräftig unter die Arme gegriffen und alle offenen Punkte waren nun abgehakt.

„Worüber machst du dir dann Sorgen, Schatz?“ fragte Nils und blieb direkt vor seinem Geliebten stehen. Als der seinem Blick auswich, hatte er plötzlich Angst und holte tief Luft. „Sei ehrlich. Hast du es dir anders überlegt?“

Diese Angst war sofort verflogen, als Jan ihn entsetzt anschaute. „Was?! Nein! Wie kommst du nur auf so einen Gedanken?“

Erleichtert zog Nils seinen Freund in die Arme. „Keine Ahnung. Ich hab einfach Angst, dass uns im letzten Moment noch etwas in die Quere kommt“, murmelte er. „Ziemlich blöd, ich weiß.“

Jan schüttelte den Kopf, sah ihn voller Liebe an und küsste ihn sanft. „Gar nicht blöd, das geht mir ganz genauso. Darüber wollte ich auch mit Chrissy reden, dich wollte ich nicht damit belasten.“ Er seufzte. „Ich weiß auch nicht. Manchmal frage ich mich, womit ich so viel Glück verdient habe. Und ob ich gleich aus einem schönen Traum aufwache und wieder allein bin. – Au!“

Nils hatte ihn kurz, aber fest gekniffen. „Siehst du? Du bist wach, du träumst nicht und du bist auch nicht allein. Keiner von uns beiden. Und meinst du nicht auch, dass wir beide dieses Glück verdient haben?“

„Doch. Wir haben weiß Gott genug durchgemacht. Aber manchmal macht es mir Angst, wie sehr ich dich liebe, Nils. Wenn ich dich jemals verliere…“ Ein leidenschaftlicher Kuss unterbrach ihn.

„Ich weiß“, brachte Nils schließlich rau hervor. „Das geht mir genauso. Die Verlustangst wird bei uns beiden wohl immer da sein. Aber bis einer von uns gehen muss, sind es hoffentlich noch ganz viele Jahre, Schatz. Ich will mir nicht ständig Gedanken darum machen müssen, ich will unser gemeinsames Leben genießen.“

Jan nickte und schmiegte sich eng an ihn. Minutenlang standen sie eng umschlungen neben dem Bett, bis plötzlich die Schlafzimmertür aufflog. Im nächsten Augenblick prallte der große Labrador-Retriever-Mischling gegen sie, und brachte sie aus dem Gleichgewicht. Nils versuchte, der feuchten Zunge auszuweichen, kippte nach hinten auf das Bett und Jan fiel auf ihn. Einen Moment lang presste es Nils den Atem aus den Lungen.

„Ach du Scheiße! Schatz, geht es dir gut?“ fragte Jan erschrocken und stützte sich auf seine Arme.

Nils nickte nur, während er nach Luft japste. Die wurde gleich darauf noch knapper, denn plötzlich musste er lachen. Er konnte einfach nicht anders, und als der große Hundekopf neben Jan auftauchte und Sam ihn aus seinen dunklen Augen anschaute, lachte Nils nur noch mehr.

Jan ließ sich neben ihn auf das Bett fallen und stimmte in sein Lachen ein, während er den Hund abwehrte. Als sie sich schließlich beruhigt hatten, küsste er Nils und richtete sich auf. „Bist du wirklich in Ordnung?“

Der grinste breit. „Ja, auch wenn das vielleicht den einen oder anderen blauen Fleck gibt. Dann kann ich behaupten, dass mein Mann an unserem Hochzeitstag etwas stürmisch im Bett war.“ Sie prusteten wieder los. Schließlich hielt Jan sich den Bauch vor lauter Lachen, während Nils sich mühsam aufrichtete.

„Was ist denn bloß mit dir los, Sam? Ihr bleibt doch sonst auch brav draußen.“ Er rieb dem Hund die Ohren, während der ihn treuherzig anschaute. Ein leises Winseln lenkte seinen Blick auf die Tür. Dort saß Tinky, der Collie-Mischling, auf der Schwelle und traute sich offenbar nicht ins Zimmer.

„Nun komm schon her“, sagte Nils leise und streckte dem Hund die Hand entgegen. Tinky sprang sofort auf und schmiegte gleich darauf den Kopf an sein Bein.

„Wir haben die beiden in den letzten Tagen wohl ziemlich vernachlässigt“, meinte Jan neben ihm und kraulte die Hunde ebenfalls. „Ich hab ein richtig schlechtes Gewissen, weil wir übermorgen für zwei Wochen wegfahren.“

„Ich auch. Aber wir werden sie trotzdem nicht mitnehmen nach Florenz.“

Jan grinste. „Nein, ganz sicher nicht. Sie werden es hier gut haben, die anderen kümmern sich doch immer so lieb um sie, wenn wir weg sind. Unsere Flitterwochen will ich mit dir allein verbringen.“

„Dann hätten wir vielleicht doch in die Karibik fliegen sollen. Allein und Florenz im Hochsommer, das widerspricht sich irgendwie.“

Jan lachte und stieß ihn sanft in die Seite. „Du weißt genau, wie ich es meine. Nachts allein. Na ja, und wir müssen ja auch nicht raus gehen, wenn wir nicht wollen.“

Lächelnd drehte Nils den Kopf und küsste ihn. „Stimmt, und während der Hurrikan-Saison nach St. Thomas zu fliegen, das hätte mit einem ruhigen Urlaub auch ziemlich wenig zu tun gehabt. So müssen wir uns wenigstens keine Sorgen um das Wetter machen.“

Jan stieg vom Bett und scheuchte die Hunde vor sich her zur Tür. „Na los, ihr beiden, ihr bekommt jetzt erst einmal Frühstück.“ An der Tür drehte er sich nochmal um. „Gehen wir noch eine Stunde mit ihnen laufen? Den beiden würde es gut tun, und meinen Nerven auch.“

Nils nickte und kam zu ihm herüber. „Ja, lass uns noch ein wenig laufen gehen.“

***

Einige Stunden später waren sie beide nur noch Nervenbündel, als sie in ihren schwarzen Anzügen endlich vor der Standesbeamtin standen. Fast wünschte sich Nils, sie hätten doch die Variante „Wir kommen nur kurz vorbei und unterschreiben“ gewählt. Er zwang sich, den Worten der Frau zu lauschen, obwohl er sie am liebsten zur Eile angetrieben hätte. Und Jan, der seine Hand fest umklammerte, ging es offenbar genauso. Nur gut, dass einer ihrer Freunde die Zeremonie filmte, so dass sie es später in Ruhe genießen konnten.

Im Moment wartete er einfach nur noch auf den entscheidenden Satz. Da es für Schwule nur die Zeremonie auf dem Standesamt gab, hatten sie die Beamtin im Vorgespräch gebeten, eine klassische Traurede zu halten, wie es sonst eher ein Geistlicher bei der kirchlichen Trauung tat. Und da war er dann endlich, dieser ersehnte Satz:

„Wollen Sie, Jannick Simon Forster, den hier anwesenden Nils Carstensen zu Ihrem Lebenspartner nehmen, ihn lieben und ehren, solange Sie beide leben?“

Jans Händedruck wurde noch etwas fester, als er mit rauer Stimme „Ja, ich will“ sagte.

„Und wollen Sie, Nils Carstensen, den hier anwesenden Jannick Simon Forster zu Ihrem Lebenspartner nehmen, ihn lieben und ehren, solange Sie beide leben?“

Nils Stimme klang genauso rau wie die von Jan eben, als auch er „Ja, ich will“ antwortete.

„Dann erkläre ich Sie hiermit zu Partnern in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft. Tauschen Sie bitte ihre Ringe.“

Nils stellte erleichtert fest, dass nicht nur seine Hände zitterten, als sie sich gegenseitig Jans Ringe an die rechte Hand steckten. Jan zögerte einen Moment, dann streifte er unter dem leisen Lachen der Hochzeitsgesellschaft den anderen Ring von Nils‘ linkem Ringfinger und steckte ihn ebenfalls an dessen rechte Hand. Nur Sekunden später trug dann auch Jan zwei Ringe an der rechten Hand.

„Ich wünsche Ihnen alles Gute.“ Die Beamtin schüttelte ihnen die Hände, dann lächelte sie breit. „Sie beide sind wirklich ein schönes Paar, und Sie dürfen sich jetzt endlich küssen.“

Das ließen sie sich nicht zweimal sagen. Unter dem Jubel ihrer Freunde und Verwandten küsste Nils seinen frisch angetrauten Mann. „Hallo, Herr Carstensen“, murmelte er an Jans Mund, als er den Kuss schließlich beendete. Jan schmiegte sich etwas enger an ihn und strich mit bebenden Lippen nochmal über seinen Mund. „Ich liebe dich“, brachte er dann heiser hervor.

„Und ich liebe dich“, erwiderte Nils und wischte sich mit einem Lächeln die Träne weg, die er nicht zurückhalten konnte.

Fünf Minuten später war auch der Papierkram erledigt und sie nahmen die Glückwünsche ihrer Freunde und Verwandten entgegen. Als sie Hand in Hand das klimatisierte Standesamt verließen, schlug ihnen die Sommerhitze entgegen. Nicht nur ihnen war heiß, auch alle anderen stöhnten über die drückende Hitze.

Das hatte aber auch etwas Gutes, denn so zog sich die Verabschiedung nicht unnötig in die Länge. Die große Party war ja erst für den nächsten Tag geplant, heute würden sie den Rest des Tages allein genießen. Nicht einmal um die Hunde mussten sie sich kümmern, die hatten Andy und Chris schon am Vormittag bei ihnen abgeholt.

Unter dem gutmütigen Gelächter der anderen zog Jan seinen Mann hinter sich her zum Wagen. Nils blieb neben dem Auto stehen und küsste Jan noch einmal, bevor sie ihre Jacketts auszogen und einstiegen. „Hey, wartet mit dem Ausziehen, bis ihr Zuhause seid!“ rief Julian ihnen lachend hinterher, was erneutes Gelächter zur Folge hatte. Nils störte sich daran genauso wenig wie sein Mann. Es war ihnen völlig egal, dass allen klar war, was sie tun würden, sobald sie daheim waren.

***

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